Keine Handlung ohne Emotionen

Wenn wir Informationen aufnehmen, erklärte Torsten Grothmann von der Universität Oldenburg in seinem Einführungsvortrag, gäbe es unterschiedliche Informationsverarbeitungspfade. Der erfahrungsbasierte Pfad sei schnell und intuitiv, während der analytische Pfad langsam und denkbasiert funktioniere. Das Unpraktische: Wenn beide Pfade zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, setzt sich meistens der erfahrungsbasierte Pfad durch. Das erklärt ja schon mal einiges.

Aus diesem Grund könnte es sehr aufwändig sein, die immer wieder geforderte „Scientific Literacy“ in der Bevölkerung durchzusetzen und alle Menschen zu kleinen KlimawissenschaftlerInnen zu machen. Grothmann schlägt stattdessen vor, Klimawandel „erfahrbarer“ zu machen und den Fokus in der Kommunikation beispielsweise auf Bilder und Erfahrungsberichte von Betroffenen zu legen (wenn man kein Psychopath ist, aktivieren die dann Spiegelzellen im Gehirn und erzeugen Mitgefühl), oder die virtuelle Realität zur Erfahrung der Zukunft zu nutzen.

Angst- oder Schuldkommunikation hat sich als wenig förderlich herausgestellt und führt häufig zu Abwehr, Trotz oder Belastungsreaktionen. Stattdessen empfiehlt Grothmann, auf angenehme Emotionen zu setzen und aktive Problemlösungen, positive Zukunftsbilder und Co-Benefits in den Vordergrund zu rücken. So geschehen etwa bei der Verbesserung der Wassergütequalität im Kopenhagener Hafenbecken, die gleich dazu genutzt wurde, ein öffentliches Schwimmbad dort einzurichten, was sich – wenig überraschend – positiv auf die Akzeptanz ausgewirkt hat.

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Schwimmen im Kopenhagener Hafenbecken Quelle: visitcopenhagen.com

Zusätzlich könne man individuelle Hilflosigeitsgefühle durch das Hervorrufen kollektiver Wirksamkeitsüberzeugungen bekämpfen – indem man also ganze Gruppen statt Individuen adressiert. Im Idealfall passiere sowas natürlich zielgruppenspezifisch und indem bestehende soziale Identitäten angesprochen würden.

Wie man sieht, gibt es viel zu lernen aus der Psychologie für die Klimawandelkommunikation. Und, so Grothmann, auch noch viel zu forschen, weil falsche Kommunikation so viel kaputt machen kann. Schon seit 1987 wissen wir schließlich dank Fischhoff: „We should no more release an untested communication on the public than an untested drug.“

 

 

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